SEO-Tools sehen sehr genau aus. Da stehen exakte Zahlen, bunte Kurven und ein Suchvolumen auf den einzelnen Besucher genau. Genau das ist die Falle. Viele dieser Werte sind Schätzungen, manche sind veraltet, und bei kleinen oder lokalen Suchbegriffen zeigen die Tools schlicht null oder gar keine Daten an. Daraus den Schluss zu ziehen, dass niemand danach sucht, ist einer der häufigsten und teuersten Irrtümer im ganzen Thema. Ich räume hier mal in Ruhe damit auf.
Woher die Zahlen in SEO-Tools überhaupt kommen
Kaum jemand macht sich klar, wie diese Werte entstehen. Ein großer Teil stammt ursprünglich aus dem Google-Werbeprogramm, dem Keyword-Planer. Der war aber nie für SEO gedacht, sondern für Werbekunden, und er liefert ohne laufende Anzeigenausgaben nur grobe Bereiche statt exakter Zahlen, etwa 10 bis 100 oder 100 bis 1000 Suchen pro Monat. Zusätzlich fasst er ähnliche Begriffe zusammen. Die schöne glatte Zahl, die Ihnen ein Tool dann zeigt, ist also bereits eine Hochrechnung aus gerundeten Bereichen.
Den Rest schätzen die Anbieter über sogenannte Clickstream-Daten, also anonymisiertes Surfverhalten von Nutzergruppen, das auf die Gesamtheit hochgerechnet wird. Das funktioniert gut für große, häufige Begriffe und immer schlechter, je seltener und spezieller ein Suchbegriff ist. Unter einer bestimmten Schwelle haben die Tools einfach keine Stichprobe mehr und melden dann null oder kein Wert. Das heißt nicht, dass nichts da ist, es heißt nur, dass das Tool nichts gesehen hat.
Das Problem mit kleinen und lokalen Keywords
Genau hier wird es für lokale Unternehmen wichtig. Nehmen Sie einen Maler, der in einem bestimmten Berliner Bezirk gefunden werden will, oder einen Coach für eine eng umrissene Zielgruppe in einer Stadt. Begriffe wie diese haben oft so wenig Suchanfragen, dass die Tools sie gar nicht erfassen können. Im Tool steht dann null Suchvolumen oder keine Daten, und ein Berater, der nur auf diese Zahl schaut, winkt ab: lohnt sich nicht. Das ist ein Trugschluss.
Für ein lokales Geschäft brauchen Sie kein Keyword mit tausend Suchen im Monat. Sie brauchen die richtigen zwanzig Menschen aus Ihrem Bezirk, die gerade jetzt jemanden suchen und bereit sind zu beauftragen. Ein Begriff mit angeblich null Volumen kann Ihnen genau diese hochwertigen Anfragen bringen, weil die wenigen Leute, die so suchen, eine sehr klare Absicht haben. Wie lokale Sichtbarkeit konkret funktioniert, lesen Sie im Beitrag Lokale SEO: Grundlagen.
Trotzdem wird geklickt
Google selbst hat einmal gesagt, dass ein beträchtlicher Teil aller Suchanfragen jeden Tag völlig neu ist, also noch nie zuvor genau so gestellt wurde. Solche Anfragen können naturgemäß in keinem Tool mit einem Volumen stehen. In Summe macht dieser lange Schwanz aus vielen seltenen Begriffen einen riesigen Teil des gesamten Suchverkehrs aus. Wenn Sie also im Inkognito-Modus selbst googeln, Ihre Seite auf einer guten Position sehen und Menschen darauf klicken, dann passiert das real, auch wenn das Tool für dieses Keyword stur null anzeigt. Die Klicks sind echt, sie tauchen nur in der Schätzlogik der Tools nicht auf.
Warum Ihre Rankings im Tool anders aussehen als in echt
Dazu kommt ein zweiter Effekt, der viele verwirrt. Wenn ein Tool Ihre Position misst, tut es das von einem festen Ort aus, entpersonalisiert und oft aus einem Rechenzentrum. Ihre echten Kunden suchen aber von ihrem Standort, mit ihrem Verlauf, auf dem Handy, und sehen lokale Ergebnisse und die Kartenbox. Deshalb kann das Tool Platz acht melden, während Sie und Ihre Kundschaft in Ihrem Stadtteil längst weiter oben auftauchen. Der Inkognito-Modus schaltet die Personalisierung zwar weitgehend ab, der Standort bleibt aber immer im Spiel. Kurz gesagt: Was das Tool zeigt, ist eine Momentaufnahme aus einer fremden Perspektive, nicht das, was Ihre Kunden sehen.
Die ehrlichste Quelle: Ihre eigene Search Console
Es gibt eine Datenquelle, die nicht schätzt, sondern zählt: die Google Search Console für Ihre eigene Website. Sie ist kostenlos und zeigt Ihnen schwarz auf weiß, mit welchen Suchbegriffen Menschen Sie tatsächlich gefunden haben, wie oft Sie erschienen sind, wie oft geklickt wurde und auf welcher durchschnittlichen Position. Und genau dort tauchen sie auf, all die Begriffe mit angeblich null Volumen, die Ihnen trotzdem echte Besucher bringen. Ich arbeite bei Analysen deshalb bevorzugt mit diesen echten Search-Console-Daten statt mit geschätzten Tool-Werten. Das ist der Unterschied zwischen raten und wissen. Wenn Ihre Seite dort gar nicht erst auftaucht, hilft Ihnen der Beitrag Warum wird meine Website nicht bei Google gefunden? weiter.
Was das praktisch für Sie heißt
- Verwerfen Sie ein Keyword nicht nur, weil das Tool null Volumen zeigt. Prüfen Sie die Suchabsicht: Würde ein passender Kunde so suchen, ist der Begriff Gold wert.
- Nutzen Sie SEO-Tools für die grobe Richtung und den Wettbewerbsvergleich, nicht als exakte Wahrheit. Sie sind ein Kompass, kein Maßband.
- Messen Sie den Erfolg an Ihrer Search Console und an echten Anfragen, nicht an geschätzten Volumina.
- Gerade lokale Begriffe mit wenig Volumen konvertieren oft hervorragend, weil die Suchabsicht so klar ist.
- Trauen Sie auch geschätzten Kennzahlen zu Traffic oder Stärke einer Domain nur bedingt. Bei kleinen Seiten liegen Tools hier besonders häufig daneben.
Mein Fazit
SEO-Tools sind nützlich, aber sie täuschen eine Genauigkeit vor, die sie nicht haben. Ein Suchvolumen von null ist kein Beweis, dass niemand sucht, sondern oft nur ein Zeichen, dass das Tool zu grob hinschaut. Wer das versteht, jagt nicht den großen, hart umkämpften Begriffen hinterher, sondern den vielen kleinen, klaren Suchanfragen, die echte Kunden bringen, und misst den Erfolg dort, wo er wirklich steht. Wenn Sie wissen wollen, für welche Begriffe Sie heute schon gefunden werden und wo echtes Potenzial liegt, schaue ich mir Ihre Search-Console-Daten gern mit Ihnen an, unverbindlich.